Neben der eher lästigen Flut an "kostenlosen" E-Books gibt jetzt Facebook selbst ein Marketing-Manual heraus. Die 14-seitige Broschüre kann hier heruntergeladen werden:
Facebook veröffentlicht offiziellen Marketing-Leitfaden
von:
Kolja Butzki
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Macht ein Regierungssprecher denn keine Tippfehler?
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Kolja Butzki
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Gestern Abend im italienischen Fernsehen haben es drei Journalisten geschafft, innerhalb einer Viertelstunde sechsmal (!) "Obama" statt "Osama" zu sagen. Dass sich Steffen Seibert (oder einer seiner Angestellten) im Eifer des Gefechts vertippt hat, ist lustig. Aber entschuldbar. Jedoch hätte er zum Tippfehler stehen können, anstatt seine Tweets zu löschen.
Die Nachricht von Osama Bin Ladens Tod verbreitete sich zuerst im Social Web
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Kolja Butzki
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Richard Gutjahr hat den Verlauf auf Deutsch zusammengefasst.
Tritt in den Hintern
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Kolja Butzki
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„Ein bisschen weniger Rechtsstaat würde uns allen manchmal ganz gut tun“. Wie kann es dazu kommen, dass ein Richter so etwas in einer Verhandlung sagt?
An einem Februarmorgen dieses Jahres erhielt Hausmeister Schwendtek von seinem Chef den Auftrag, die Namensschilder an Klingel und Briefkasten von Herrn Dittert zu entfernen. Diesem sei die Wohnung gekündigt worden.
Gerade hat Schwendtek das Namensschild vom Briefkasten abgeschraubt, da kommt Herr Dittert aus dem Haus. „Was machen Sie an meinem Briefkasten! Geben Sie sofort das Schild zurück!“, ruft er. Der Hausmeister – seinem Arbeitsherrn treu ergeben – erwidert, er werde das Schild niemandem zurück geben außer seinem Chef. Dittert sieht sich als Opfer eines Diebstahls und ruft die Polizei, die eine halbe Stunde später eintrifft. Was während dieser halben Stunde genau passiert, wissen nur die beiden Beteiligten. In der Anklageschrift wird später stehen, Herr Dittert sei Herrn Schwendt ins Haus gefolgt und habe ihn dort „nach einer verbalen Auseinandersetzung ins Gesäß getreten“. Die kurz danach eintreffende Polizei fährt wieder ab, ohne eine Anzeige aufzunehmen. Den Grund des Streits sehen die Polizisten – wohl nicht ganz ungerechtfertigt – als Lappalie an. Dittert möge seinen Diebstahlvorwurf noch einmal überdenken, der Streit könne sicherlich auch ohne Polizei geklärt werden. Dittert droht mit einer Klage gegen Schwendtek.
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| Der Anlass: ein Klingelschild |
Hausmeister Schwendtek beschließt im Laufe des Vormittags (und nach Rücksprache mit seiner Frau) dem Herrn Dittert doch noch eins auszuwischen und geht zur Polizei. Dort erstattet er Anzeige gegen Dittert. Gleich danach sucht er zwei Ärzte auf, um sich die ihm durch den Fußtritt entstandenen körperlichen Beeinträchtigungen attestieren zu lassen. Die Ärzte diagnostizieren brav „eine fünf mal fünf Zentimeter große Rötung im Bereich des Gesäßes“ sowie eine „Lendenwirbelsäulenblockierung“. „Anzeichen einer äußerlichen Einwirkung“ seien jedoch „nicht erkennbar“.
Ganz bestimmt hätte der Streit um das Namensschild und den Tritt auch einfacher geschlichtet werden können. Jeder Richter hat über Wichtigeres zu urteilen als diesen Fall. Da ein Richter sich aber nicht aussuchen kann, welchen Fall er behandelt und welchen nicht bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich der Sache wohl oder übel anzunehmen.
Bloß nicht nachgeben - egal, worum es geht! |
Acht Monate später betritt Herr Dittert – nun Angeklagter in einem Strafprozess – den Gerichtssaal des Amtsgerichtes Magdeburg. Ihm voraus geht sein eigens angeheuerter Anwalt. Dittert wirkt um einiges eifriger als sein Anwalt, er trägt gleich zwei prall mit Papieren gefüllte Aktentaschen mit sich. Wofür er diese Mengen an Unterlagen braucht, wird deutlich als er anfängt zu sprechen: Jedes einzelne Wort liest er vom Papier ab. Sein Anwalt, der nur einen dünnen Hefter dabei hat, schaut drein wie ein Konfirmand, der sich in der Kirche das Lachen verkneift. Seine Mimik wirkt um Ernst bemüht.
Der Anwalt schaut drein wie ein Konfirmand,
der sich in der Kirche das Lachen verkneift.
Nachdem der Staatsanwalt die Anklageschrift verlesen hat, versucht der Richter sich kurz ein Bild vom Tathergang zu machen. Der Betroffene und der Beschuldigte dürfen sich dazu äußern. Nachdem Dittert in Auszügen aus seiner umfangreichen Darstellung vorgelesen hat, schlägt der Richter vor, dieses Verfahren einzustellen. Zumal dem Hausmeister, der jetzt als Zeuge auftritt, gar nichts mehr an einer Verurteilung Ditterts liegt: „Bei allem Respekt wir reden doch hier von nichts weiter als einem Tritt in den A...!“, die Kosten solle der Angeklagte tragen. Damit ist dieser jedoch ganz und gar nicht einverstanden. „Zahlen sie eigentlich Steuern, Herr Dittert?“, fragt der Richter. „Wissen sie, was das Ganze hier kostet?“. Dieses Verfahren auf Kosten des Steuerzahlers – nicht mit ihm. Daraufhin zieht sich Herr Dittert mit seinem Anwalt zur Beratung zurück. Kaum haben die beiden den Saal verlassen, beginnen der Richter und der Staatsanwalt Witze über ihre in diesem Fall sinnlose und überflüssige Arbeit zu machen. Nachdem Herr Dittert zweimal aufgefordert wurde, die Beratung kurz zu halten, kommt er zu einem Entschluss.
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| Ende in Sicht? Fehlanzeige! |
Er möchte nicht, dass das Verfahren eingestellt wird. Seine Schuld solle ihm bitte nachgewiesen werden. So wird also der nächste Gerichtstermin festgelegt. Als Zeugen werden dann die von Dittert alarmierten Polizeibeamten, die Ehefrau Schwendteks, die beiden Ärzte, die Chefin des Hausmeisters und ein Arbeitskollege (welchem von dem Vorfall erzählt wurde) geladen sein. Nach mindestens ein bis zwei weiteren Terminen wird das Gericht in der Lage sein, ein Urteil zu fällen. Sollte Herr Dittert mit diesem Urteil unzufrieden sein, so kann er es in der zweiten und dritten Instanz anfechten. Dabei werden nicht nur weitere Kosten auf den (ohnehin schon mit 12.000 EUR verschuldeten) Angeklagten zukommen, auch Vater Staat wird für diesen Zwist tief in die Tasche greifen müssen.
Kairo: Der Tod Ahmed Bassiounys
von:
Kolja Butzki
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Am Morgen des 28. Januar packt der Ahmed, ein junger Lehrer und Vater zweier Kinder, seine geliebte Kamera ein. Er ahnt noch nicht, dass dieser Tag in Ägypten als “Freitag des Zorns” bekannt werden sollte. “Heute hole ich meinem Land ein wenig seiner gestohlenen Würde zurück!”, verkündet Ahmed auf Facebook.
Zu Tausenden strömen Demonstranten auf den Tahrirplatz, unter ihnen Ahmed. Die Polizei versucht mit allen Mitteln, die nun seit drei Tage anhaltenden Proteste zurückzuschlagen. Durch das starke Objektiv seiner Kamera erkennt Ahmed Scharfschützen, welche die Polizei auf den Dächern stationiert hat. Als er beginnt, auf die Schützen aufmerksam zu machen, wird er selbst getroffen - zwar nicht von scharfer Munition - aber Gummigeschosse und Tränengas bringen ihn zu Fall. Er wird nie wieder aufstehen. Augenzeugen berichten später davon, dass sein lebloser Körper von einem Einsatzwagen der Polizei überfahren worden sei.
Ahmed ist eines der insgesamt mehreren hundert Opfer der ägyptischen Revolution. Wenn überhaupt, dürfte sich die genaue Zahl der Toten erst in Monaten nennen lassen. Etliche Ägypter gelten als vermisst.
Jetzt hängen rund um den Tahrirplatz Plakate mit den Gesichtern der hier Getöteten. Das Gesicht von Ahmed Bassiouny, gestorben im Alter von 31 Jahren, findet sich neben einem Fast-Food Restaurant. Gleich gegenüber der Amerikanischen Universität: Volle Wangen, Dreitagebart und eine randlose Brille, die seine Augen etwas größer wirken lässt.

Bassiouny war begeisterter Künstler. Neben seinem Lehrberuf promovierte er an der Deutschen Universität zu Kairo. In einer Stadt mit recht konservativen Lehplänen bot er als erster Kurse wie „Digitale Soundkunst“ an, die er falls nötig auch kostenlos anbot. Seine Schüler regte Ahmed stets zu Mut und Offenheit an. Er initiierte unter Anderem die Cairo Documenta, Kairos „inoffizielle Biennale“. Mit seiner herzlichen, selbstlosen Art war er auch vielen Schülern ein geschätzter Freund. Ahmed war kein still vor sich hin brütender Philosoph, ihm machte es Freude, sein Wissen zu teilen.
Edit:
Am 10. Mai 2011 kam es laut ITN News wieder zu tödlichen Auseinandersetzungenin Kairo.



